“es ist doch nur Fußball”

Diesen “Satz” habe ich am Wochenende so oft gehört, dass ich in einer Auseinandersetzung meinem beflaggten Gegenüber tatsächlich - und das schadete meiner Argumentation - in einem aggressiven Ton begegnete. Meinte er wenigstens. Vielleicht stimmt das auch nicht; vielleicht ist es vielmehr das “ihr seid ja immer so tolerant und offen, zeigt doch mal ‘n bisschen Toleranz”. Ihr. Ich war alleine. Alleine bat ich - zunächst angestrengt freundlich - einen teigigen, dräge wirkenden “Fan” mit seiner Dreiervuvuzela, das Benutzen ebendieser während der Konzerte auf der Bühne, von der er sich fünf Meter weiter befand, sein zu lassen. Dann sprang ihm noch ein Unbeteiligter zu Hilfe mich zurecht zu stutzen; einer von den Grünen. Es ist fast fies von mir, das zu betonen, aber: das Ganze ist tatsächlich “lagerübergreifend”. Und: was ging ihn das denn an? Warum meinte er vor allem mich in die Schranken weisen zu müssen? Habe ich den lautstark nervenden Fan so ungerecht behandelt (mittels: “du, äh, das nervt viele”)? Und warum, wenn da tatsächlich in ihm so eine kognitive Gerechtigkeitsschema angerufen wurde, hat er (als Parteipolitiker) nicht auf 'utilitaristische’ Variante reagiert (kein Getrötte ist gut für fast alle: Musiker_innen, Publikum, Veranstalter_innen & Mitarbeiter_innen; nur nicht die Fans)? War es am Ende doch nicht nur Fußball? “Ey wir haben 4:0 gewonnen, also entspann dich mal”. Ein geschmeidiges 'Leck mich’ entließ mich meiner subproletarisch gefärbten Märtyrer-Funktion und die Typen irgendwas unverständliches plärren.

Das Bierbeben - Deutschland

Interessant war auch die kleine Gruppe “Fans”, studentisch-alternativ angehauchten Codes gekleidet, bestückt mit Turbostaat-Beutel und Flaggen-Accesoires. Es war da allerdings auch nicht mehr nur Fußball als jemand ihrer Flagge ein kleines Stück entriss: dem Täter wurde aufgelauert. So lange bis er das Entrissene wieder hergab, welches dann stolz um den Hals der Bierflasche gebunden wurde, welche sich die Gruppe dann, ganz die Gemeinschaft, teilte. Weitere Erlebnisse aller menschenverachtenden Couleur lassen sich mehr und mehr beobachten… Anzeigenstellungen seitens der “Fans” leider auch.

Ich fühle mich tatsächlich wie eine “teilnehmende Beobachterin”: jegliche Äußerungen und Handlungen, ob profan oder durchdacht, leise oder laut vorgetragen, prallen auf einen Zustand, der gegeben und unveränderlich (sich höchstend noch intensivierend) wirkt. Es ist eben nicht nur Fußball, nirgends.

Es ist unangenehm diese Argumentation aufzugreifen, aber: Wieso ist es keine Verunglimpfung der Flagge, wenn das dt. Dreierlei auf “Afros” und “Iros” oder ähnlichem und am Ende auf weißen, deutschen Köpfen wiederfindet? white supremacy? Das “Siegergen” (Pro7)?

Und dann Hannover. Ein “Fan-Streit”…

Soviel Vulgäres dazu; ich verkrampfe. Ausführlichere Formulierungen mit mehr Atempausen und Distanz finden sich bei ärgernis; ein weiteres Beispiel dafür, dass dieser Blog abonniert gehört.