Eine Kritik an der »Überwindung« von Geschlecht, Subjekt und Geschichte im Poststrukturalismus und Gender Studies … Dass Geschlecht und Sexualität »Konstrukte« seien, die es aufzulösen gelte, ist Gruppierungen wie dem »Antisexismusbündnis Berlin« und mit ihm weiten Teilen der radikalen Linken heute ein Gemeinplatz. Zusammen mit der Sexualität gelten derartigem »Antisexismus« Geschichte, Subjekt und Metaphysik als zu überwindende Gewaltherrschaften über die »Vielfalt der Lüste und Körper«. Der Vortrag will den Grundlagen derartigen Denkens nachspüren und dabei auch ihren (negativen) Wahrheitsgehalt aufzeigen. Dazu stellt er sich die Frage, welche gesellschaftlichen Verhältnisse dafür sorgen, dass die Rede von der Dekonstruktion des Subjekts und des Geschlechts heute den Nerv nicht nur vieler Linker, sondern den vieler Subjekte unter spätkapitalistischen und postnazistischen Zuständen trifft. Welches Subjekt soll da dekonstruiert werden und wer oder was soll an seine Stelle treten? Es wird dabei um nicht weniger als um die Bedeutung des Geschlechts in der kapitalistischen Vergesellschaftungsform gehen.
Martin Dornis lebt in Leipzig, studierte Philosophie, Ökonomie und Erziehungswissenschaften. Er veröffentlichte Texte über Ideologiekritik, Antisemitismus, Krisentheorie und materialistische Gesellschaftskritik. Zu letzt von ihm erschienen: Der Meister aus Deutschland. Zur Kritik der Ideologie des Todes, in: Alex Gruber/ Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft, Freiburg 2011: ça ira.
In folgendem Video referiert Judith Jack Halberstam (mir bisher unbekannt, aber offensichtlich Professor of English, American Studies and Ethnicity and Gender Studies, University of Southern California) knappe 30Minuten über “Gender Studies and Body Politics: Intersections, Directions, Representations”. Der Fokus liegt dabei auf einer “range of directions in which Gender Studies has traveled: queer theory, popular culture, visual culture, sub‐cultures and the politics of the body” [i]. Der Bezug liegt dabei explizit auf aktuellen Phänomenen und versucht damit Diskurse, Tendenzen und dominierende Narrative des gegenwärtigen Feminismus, queer und gender studies zu verdeutlichen. Der akademische Hintergrund der gender studies ist im Vortrag besonders an den Referenzen klar zu erkennen, dabei bleibt sie nicht unreflektiert darauf sitzen, sondern betont die Schwierigkeiten und Fallstricke, die diese Disziplin selbst begeht, bspw. wenn sie vom Aufziehen und Bilden von Grenzen und Grabenkämpfe um “Territorien” (ich bin mir nicht sicher ob sie damit ausschließlich wissenschaftliche Felder meint).
[Hier sollte jetzt das Video erscheinen… dank GEMA gibt es da Probleme. Ich empfehle: Proxtube im Firefox installieren und dann das Video laden.]
Ich bin jetzt nicht gewillt und in der Lage, diese 30 Minuten prägnant aufzubereiten, aber ggf. kann das jede_r für sich machen und anschließend mit mir austauschen.
Ganz clever ist ihr Betonen des “stuttering” aus Lady Gaga’s “Telephone” als Sinnbild der Institutionalisierung der feministischen Bewegung und den entsprechenden Problemen, die als ebenso “stotternd” beschrieben werden. Nicht zuletz der akademische Umgang sei auf dem Weg zu neuen Kategorien mit den alten Inhalten bzw. einer symbolischen Neubesetzung der alten Kategorien, anstatt der Ausformulierung oder Umsetzung der queer theory (oder anderen Perspektiven, die Identitäten, Anerkennung, Machtstrukturen und Hierarchien thematisieren) zu arbeiten. Es wundert mich, dass sie diese Lage nicht mit dem von ihr genannten “back back backlash” (16min) in Verbindung gebracht hat.
Weitere Punkte, die beim ersten Hören spannend klangen, mir aber erstmal noch diffus durch den Kopf gehen:
shadow-feminism: unbecoming women (10min)
“theoretical promiscuity”
whiteness der Avantgarde
Außerdem: Die reblogging-Funktion ist in dem Schema, das ich zur Zeit benutzte immer umständlich dargestellt (neben statt unter dem entsprechenden Dateien und somit gerne Seiten sprengend), die bisherige Weiterleitung und ein paar Anmerkungen will ich aber nicht unterschlagen:
the studdering sounds of gaga feminism—i answer yes, this is still the second wave, the age of feminist invention and proliferation of difference, go go go.
i lovvve you judith/jack—and i love your watch
My two brilliant loves (Gaga and Halberstam) come together.
A lot of interesting ideas in this lecture:
Older feminists shouldn’t complain about new feminists not reading them. “If you’re no longer relevant, you’re no longer relevant… Some things need to be read in their moment, they don’t need longevity. Longevity is an extremely heteronormative concept.”
Need new forms of classification/categorization for sexuality/gender. We need “theoretical promiscuity” in order to keep up with an evolving world.
Feminism based on “un-becoming” [women]. Stability of women seems obvious, but it shouldn’t be.
Feminism may not be an imposition of politics, but it may act as an imposition of epistemological categories. Postcolonial theorists (Spivak, etc.) should be centered in formations of new feminisms
Gaga and Beyonce’s “Telephone” video reclaims the telephone narrative of heterosexual romance— they don’t want to be called, and are entering into a queer space where they’ll relate primarily to each other
“Fantastic Mr. Fox” addresses the imperative on men to always be ‘fantastic’ and to have an impressive ‘tail’
I chose American Apparel not just for their notable style, but also for their claims that many of their models are just ‘every day’ women who are employees, friends and fans of the company. However, these women fit particular body types. Their campaigns are highly sexualized and feature women who are generally thin, and who appear to be able-bodied. Women with disabilities go unrepresented, not only in American Apparel advertising, but also in most of popular culture. Rarely, if ever, are women with disabilities portrayed in anything other than an asexual manner, for ‘disabled’ bodies are largely perceived as ‘undesirable.’ In a society where sexuality is created and performed over and over within popular culture, the invisibility of women with disabilities in many ways denies them the right to sexuality, particularly within a public context.
Damit hat Holly Norris ja nicht unrecht und ihre Bilder sind m.E. auch ‘schön’ (dieses Wort…) und treffend, aber dabei wird eben auch nicht der dominante Zusammenhang von Frau=Sexualität thematisiert, sondern eben nur das Ausblenden oder Marginalisieren von bestimmten Sexualitäten bzw. bestimmter Frauen aus der öffentlichen Sphäre. Das spricht in einem eigentlich zwingend notwendigen nächsten Gedankenschritt eben auch nicht an, dass es eine recht werbe-logische Konsequenz ist, dass eben überproportional ‘abled women’ abgebildet werden, zwecks Anerkennung, der häufig mit ihr auftretenden Kaufkraft usw. Hier werden Formen und nicht Strukturen kritisiert; aber vielleicht ist das auf einer Ebene der Formen nicht anders möglich; ich weiß es nicht. Aber eine gleichwertige Etablierung von Vorstellungen von ‘anderen Körpern’ oder eine ‘Toleranz’ von verschiedenen Körpern, kann doch noch keine Teilhabe versprechen und fragt nicht danach an was überhaupt teil genommen werden soll und ob es nicht genau das ist, was strukturell Marginalisierte, Unterdrückte, … hervorbringt. Sehr sympathisch ist Jes (Spitzengrinsen + Spitzenarmverzierung) dennoch und diese extrem geschickte Sexualisierung der AA-Werbung hat besonders in ihrer weitgehenden Akzeptanz tatsächlich furchtbar genervt. Hm.