“Der Ausnahmezustand als Regel. Eine Bilanz der Kritischen Theorie”

Vortragsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche

Das erkenntnistheoretische, soziologische, politische, geschichtsphilosophische, kulturtheoretische und ästhetische Denken der Kritischen Theorie hat im 20. Jahrhundert eine mächtige Geistesspur hinterlassen.
In dieser Schule haben vier Generationen von Intellektuellen die Frage nach der Signatur der Moderne in ganz unterschiedlicher, ja überaus spannungsvoller Weise zu beantworten gesucht: die vorinstitutionelle Gründungsgeneration (Benjamin, Kracauer) – die institutionelle Generation (Adorno, Horkheimer, Marcuse, Löwenthal) – die Generation um Jürgen Habermas’ Kritik der Kritischen Theorie – die postkritischen Nachfolger. Die Kritische Theorie hat dabei nicht nur stets nach außen Stellung bezogen in der Auseinandersetzung um die angemessene Interpretation der modernen Wirklichkeit (Lukács, Heidegger, Positivismusstreit etc.). Auch intern war ihre Geschichte durch fundamentale Differenzen bestimmt, die oftmals an einer Einheit dieser Schule Zweifel haben aufkommen lassen. Die Emphase eines »kritischen« Denkens wurde dabei zumeist als kleinster gemeinsamer
Nenner verstanden, der die Kritische Theorie historisch als legitimen Erben der europäischen Aufklärung in der Phase ihrer Selbstreflexion bestimmt.
Im offenen Geist Nietzsches fragt die Vorlesungsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar nach den historischen und systematischen Bedingungen, Formationen und Folgen der Kritischen Theorie.
Ihre bedeutenden Vertreter und Historiker sollen dabei vor allem Antwort auf die Frage geben, worin das intellektuelle Erbe der Kritischen Theorie besteht und inwiefern dieses Erbe auch weiterhin bedenkenswerte oder sogar notwendige Bedingungen der Philosophie des 21. Jahrhunderts abgibt. Axel Honneths provokante Annahme, nach der »die geschichtsphilosophischen und soziologischen Grundannahmen der Frankfurter Schule nicht länger zu verteidigen sind«, soll dabei Grundlage eines engagierten Diskurses sein, welcher gerade am deutschen Symbolort »Weimar« die Frage nach der Zukunft einer kritischen Theoriebildung von Gesellschaft stellen soll.

Interessant erscheinen dabei folgende Termine:

  • 28. November 2011. Christa Bürger: Arbeiten mit Adorno - »Ausdruck, Gewalt, die laut wird in der Klage« & Peter Bürger: Grenzen der Rationalität. Zur Adorno-Kritik von Jürgen Habermas.
  • 05. Dezember 2011. Rolf Wiggershaus: »Freiheit inmitten des Natürlichen.« Elemente einer kritischen Theorie der Natur.
  • 16. Januar 2012. Wolfgang Kraushaar: »Unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands.« Walter Benjamin, die Studentenbewegung und der große Katzenjammer.
  • 23. Januar 2012. Oskar Negt: Der halbierte Mensch. Demokratie als Lebensform.
  • 12. März 2012. Alfred Schmidt: Adorno und die Rettung des Nichtidentischen.
  • 19. März 2012. Sigrid Weigel: »Ist das ein Mensch?« (Primo Levi). Zur Gegenwärtigkeit von Hannah Arendts und Walter Benjamins Denken nach der Postmoderne.

Die Vorträge finden jeweils 18 Uhr im Vortragssaal des Schiller-Museums (Weimar) statt. Alle Veranstaltungen sind öffentlich und frei. Infos unter Klassik Stiftung Weimar.

Comments