“Dabei machen es die Fashion Freaks besser als all die angepassten Modehasen. Zum Beispiel gibt es solche, die sich trotz Speckröllchen in heiße Bikinis werfen.” (Missy Magazine 03/12)

Danke Missy, dass ihr mich für etwas für mich aufwendig Angeeignetes, nunmehr Selbstverständliches zum Freak, gar besserem Fashion Freak, und andere zu “angepassten Modehasen” erklärt… genau das braucht ein feministisches Magazin, die Verhinderung von feministischer Solidarität und solidarischer Kritik unter Frauen.

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  • “In Deutschland hat die übermäßige Toleranz gegenüber rechtsextremer Politik und Gewalt nicht nur wiederkehrende Konjunkturphasen, sondern auch eine lange Tradition.” sagt der Politologe und Buchautor Kien Nghi Ha im Interview mit migazin.de und meint, dass das “behördliche Versagen in der NSU-Mordserie auf einen verwurzelten Rassismus” hindeute (“Rassismus als tödliche Realität in Deutschland” via publikative.org).
  • Am Düsseldorfer Landgericht wird derzeit einem vielfach vorbestraften, 18-jährigen Neo-Nazi der Prozess gemacht, da er im März 2011 einen 59-jährigen vietnamesischen Flaschensammler zunächst in ‘dessen’ Obdachlosen-Unterkunft überfallen und ausgeraubt hatte sowie ihn anschließend aus Angst, dieser würde ihn anzeigen, ermordet hat. Erschreckend wie sich hier Motive aus Sozialchauvinismus und Rassismus kreuzen und der Täter die Strategie fährt aus Angst vor den Konsequenzen und nicht aus Hass getötet zu haben (via Dokumentationsarchiv).
  • Der Prozess um die Attacke einer Gruppe Nazis aus dem Umfeld der “Braunen Teufel Vogtland” am Amtsgericht Gera zieht sich unterdessen weiter hin: Nachwievor wird von keiner Seite am eigentlichen Tathergang und der Brutalität sowie den Motiven der Täter gezweifelt. Vielmehr versucht die Verteidigung der Angeklagten über Zweifel und Suggestion die Haltbarkeit der Wiedererkennung durch die Zeug_innen zu entkräften. Fortgesetzt wird der Prozess am 23. Januar 2012 (die OTZ zum letzten Verhandlungstag).
  • Das ist keine Ausländerfeindlichkeit, sondern europäisches Asylrecht.” - so die Berliner Zeitung in einem Artikel über einen homosexuellen Exil-Iraner und dessen Lebenssituation in Deutschland (via nichtidentisches).
  • In Berlin wurde ein Exil-Syrier verprügelt und vermutet Schergen des Assad-Regimes als Täter.
  • Stichwort Iran, Stichwort Syrien: wenigstens mich erstaunt es doch, dass die ‘junge Welt’ immer noch beschissener sein kann als sie ist - “Appell: Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens”. Nachtrag: Die “traute Eintracht von Rinks und Lechts an der Seite von politisch korrekten Mördern” wird von “Letters from Rungholt” kommentiert, während es bei Reflexion einen ausführlichen Beitrag zum verlinkten Appell inkl. Bemerkungen zu den Unterzeichner_innen gibt.
  • Auf der Seite des “Institute for ethics & emerging technologies” stellt sich Hank Pellissier die Frage “What’s the point of the Egyptian Revolution if it doesn’t stop female genital mutilation?” (via wadi). Bei der Gelegenheit sei auch auf die Website muslimwomennews.com (auch bei Facebook) hingewiesen.
  • Rassismus ist, wenn man trotzdem lacht”: das Berliner Schlosspark-Theater ist die aktuell bekannteste Institution die unverblümt Alltagsrassismus auslebt indem sie sich nicht scheut auch im Jahr 2012 noch auf die alte Theatermaskerade des “Blackface” zurückzugreifen.
  • Menschenjagd in Dresden: Die Bundespolizei hat an Weihnachten in der Dresdner Südvorstadt einen Reisebus mit griechischem Kennzeichen angehalten und dessen Insassen kontrolliert, weil dieser so “unscheinbar blau lackiert” gewesen sei, aber eine “auffällige Fahrweise” zeigte. Dabei gelang es sechs der Insassen zu fliehen, um im Anschluss mittels Hubschraubereinsatz (“überall, überall Scheinasylanten”) gejagdt zu werden (via forsythia).
  • “Eine Zeitung in Nordbayern berichtete am 8. Dezember 2011 unter der Überschrift „Drahtzaun hält Müllsammler auf Abstand“ über die Errichtung eines Drahtzauns im Wert von 10.000 Euro durch die Lokalpolitik in Neunkirchen am Sand (Nordbayern) an der Zufahrt zu einer Deponie, die Gebrauchtwaren-Händler, die der Roma-Minderheit angehören, abhalten soll.” (via medium)
  • “In Budapest wurde über die Weihnachtstage mein Name auf dem Briefkasten mit einem Judenstern überklebt. Ich sagte es meinem Nachbarn. „Was geht mich das an?“, wehrte er ab, und fügte hinzu: „Der da, in der Wohnung neben dir, dem hätten sie es aufkleben sollen, der ist so einer. Vielleicht haben sie sich ja vertan.“” (via welt.de)
  • Karl Pfeifer hat in der jungle World mit Sándor Radnóti über die aktuelle Situation in Ungarn gesprochen.
  • “Wer nicht genießen kann, kann in aller Regel auch nicht denken.” - Stephan Grigat zum 80. Geburtstag Guy Debords im Standard.
  • Der z.B. dem mädchenblog gut bekannte, antifeministische und homophobe Troll “James T. Kirk” attestiert dem Blogger bei Gay West einen verdrängten Missbrauch in der Kindheit, weil: er als Mann eben Männer Frauen vorzieht.

Veranstaltungen:

  • 10. Januar: [EDIT: Entfällt wegen Krankheit] Barbara Duden spricht unter dem Titel “Geschichte unter der Haut” über “Körpergeschichtliche Perspektiven auf das frühe 18. und 21. Jahrhundert”. Jena, Rosensäle (Fürstengraben 27). 18Uhr.
  • 10. Januar: Film & Podiumsgespräch: Fritz Bauer - Tod auf Raten
    (R: Ilona Ziok; Deutschland 2010, 97 Minuten). Im Anschluss findet ein Podiumsgespräch mit Ilona Ziok (Regisseurin), Prof. Dr. Norbert Frei (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der FSU Jena) und Rüdiger Bender (Förderkreis Erinnerungsort Topf & Söhne e.V) statt. Die Moderation hat Dr. Martin Borowsky (DIG Erfurt). Erfurt, Erinnerungsort Topf&Söhne, Saal im 2. OG. 19Uhr.
  • 11. Januar: Peter Bierl übt “Kritik am Antispeziezismus”. Jena, Uni-Campus (Carl-Zeiss-Str. 3), Raum 206. 20Uhr.
  • 12. Januar: “Proletarität und Revolutionstheorie. Zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität.” - Standpunkt und Diskussion mit AG Gesellschaftskritik (Dresden) - Wer neulich in Weimar nicht genug bekommen konnte oder gar nicht erst dabei war, kann sich im Rahmen der “Bildungsreihe am Donnerstag” in Gera ein Bild machen. Gera, Sächsischer Bahnhof (Erfurtstr. 19/Nähe Bhf. Gera Süd). 19.30Uhr.
  • 12. Januar: Roger Behrens spricht im Rahmen der Reihe “Was tun? Zum Verhältnis von Theorie und Praxis” (in der neulich auch Birte Hewera über Jean Améry sprach) über “Posturbanismus als Lebensweise. Stadt, Raum, Praxis”. Mehr Informationen gibt es auf dem Blog der Veranstalterin Kritische Intervention. Halle, Melanchthonianum (Uniplatz). 18.30Uhr. (Hier und hier finden sich Audio-Beiträge mit Roger Behrens zum Themenfeld)
  • 13. Januar: Andreas Speit präsentiert das Buch “Mädelsache - Frauen in der Neonazi-Szene”, welches er gemeinsam mit Andrea Röpke veröffentlicht hat. Erfurt, Café DuckDich/E-Burg, Allerheiligenstr. 20/21. 19Uhr.
  • 19. Januar: Die Reihe “Kunst Spektakel Revolution” setzt sich mit einem Vortrag von Wolfgang Bock über “László Moholy-Nagy und die Rettung der Objekte durch Licht” fort. Weimar, ACC Galerie (Burgplatz 1). 20Uhr.
  • Das Bildungskollektiv Chemnitz lädt zur Auseinandersetzung mit Erwerbslosigkeit und prekären Lebenslagen in Chemnitz. Dabei soll es unter anderem am 21. & 22. Januar 2012 im AJZ um einen “emanzipativen Umgang mit Erwerbslosigkeit und Jobcenter” gehen.
  • 24. Januar: Magnus Klaue spricht unter der Überschrift “Hier stehe ich, ich kann nicht anders” über die “Wutbürgerproteste und der Umschlag von ethischer in praktische Gewalt”. Jena, Uni-Campus (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 8. 19Uhr.
  • 27. Januar: Gunnar Schubert liest fast ein Jahr nach seinem ersten Besuch zum zweiten Mal aus seinem Buch “Die kollektive Unschuld. Wie der Dresden-Schwindel zum nationalen Opfermythos wurde” in Jena in der JG Stadtmitte. 20Uhr.
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Das Jahr neigt sich dem Ende, die Gelder müssen raus… deshalb: viele Termine. Hier einige Empfehlungen.

outside the box #3 – Release

11.12.2011 um 16:02 Uhr im SUBLAB (Westwerk), Karl-Heine-Straße 93, 04229 Leipzig (Plagwitz)

[106 Seiten] [21,8 × 30,3 cm]

Die Outside the Box # 3 erblickt das Licht der Welt im Sublab. Und darf dann gern adoptiert werden. Sie hört auf den Namen Gebären, und der ist bei ihr Programm. Wir betrachten Gebären als eine Schnittstelle zwischen dem Privaten (oder: als privat geltendem) und dem Politischen, die es aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen gilt.

Der Bericht einer Abtreibung korrespondiert mit der Kulturgeschichte der Gebärmutter… die Reflektion der fremden und eigenen Anforderungen ans Elternwerden oder -sein mit psychoanalytischen Interpretationen von Libido und Fortpflanzugsfunktion… Ein Essay über Mariendarstellungen steht neben der Kritik hexenhafter Weiblichkeitsinszenierungen bei Lars von Trier…

Wir laden herzlich ein zu Sektchen, Schnittchen, Textpröbchen, Filmchen und ausgesuchter Musik.

Es freuen sich prickelnd: Emanzipation und Form O.T. Box

Und für alle Nicht-Leipziger_innen: erstmals wird es im Januar auch eine Releaseveranstaltung in Berlin geben. Weitere Infos dazu folgen.

(weitere Infos)

Das Recht des Kapitals. Einführung in die materialistische Rechtskritik

13.12. // 19Uhr // Vortrag & Diskussion mit Simon Birnbaum // Jugend- und Kulturzentrum Mon Ami, Goetheplatz 11, Weimar

“Nun wird die Gleichheit selbst zum Fetisch. Die Binde über den Augen der Justizia bedeutet nicht bloß, daß ins Recht nicht eingegriffen werden soll, sondern daß es nicht aus Freiheit stammt” urteilte Adorno einst über das formale Recht als realer Form rationaler Herrschaft unterm Kapital.

Der Vortrag soll einführend die Dialektik der Rechtsform und seiner Träger, der Rechtssubjekte, aus der Perspektive einer kritischen Theorie der Gesellschaft heraus entwickeln.

Die gesellschaftlichen Verkehrsformen unter kapitalistischen Produktionsbedingungen als Beziehungen formal freier Warenbesitzer zueinander zu begreifen, wirft in diesem Sinne die Frage nach der Funktion des modernen bürgerlichen Rechts als einer Absicherung des Status Quo, und seiner Technik als einer Ideologie auf.

Die Garantie der Berechenbarkeit der Austauschprozesse einer warenproduzierenden Konkurrenzökonomie einerseits, der spezifische Schutzmechanismus des bürgerlichen Rechts für die vereinzelten Einzelnen andererseits, sollen in ihrem dialektischen Verhältnis zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Candide - oder Hoffen lernen nach Voltaire

13.12. // 19Uhr // Veto -Tromms­dorff­stra­ße 5, Erfurt

Wenige Jahre nachdem der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz seine grundsätzliche Überlegung publiziert hatte, dass diese Welt, trotz all ihrer Übel, die beste aller möglichen Welten sei, wurde Lissabon von einem verheerenden Erdbeben zerstört, bei dem es zu 100.000 Toten kam. Dieses Ereignis verarbeitete der französische Aufklärer Voltaire in einer seiner bekanntesten Erzählungen »Candide oder der Optimismus«. Der optimistische Protagonist Candide wird in dieser Geschichte mit den grausamsten Übeln der Welt konfrontiert - und kann trotzdem nicht aufhören zu hoffen. Es handelt sich bei dieser Erzählung um einen satirischen Schlag gegen Leibniz und den Optimismus - in ihrer beißenden Ironie ist es eine Anklage gegen vermeidbares Leid und eine Polemik gegen die unkritische Genügsamkeit der Philosophen.

Wir laden zu einem gemütlichen Hörspiel-Abend ins Veto: Nach einer kurzen Einleitung zu Voltaire und dem Verhältnis von Optimismus, Pessimismus und negativem Denken wollen wir eine Hörspielbearbeitung von »Candide oder der Optimismus« hören und anschließend darüber diskutieren.

(Wer nicht hin kann oder mag, kann sich via archive.org das Hörspiel - in vermutlich anderer Version - anhören.)

Mad Men - Anmerkungen zu Triebstruktur und Gesellschaft

14.12. // 19 Uhr // Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens // Jugend- und Kulturzentrum Mon Ami, Goetheplatz 11, Weimar

»Mad Men« – so nannte man die Angestellten in jenen Werbeagenturen, die sich in der Nachkriegszeit in der und um die Madison Avenue in New York konzentrierten. 

Hier wurde mit Parolen, Emblemen und Logos Reklame für eine Welt gemacht, die sich selbst durch Konsum, Wohlstand und Überfluss definierte, eine nach wie vor kapitalistische Welt, die nunmehr tendenziell alles in eine Ware verwandelte, in der zunehmend die »technologische Rationalität« den Lifestyle bestimmte: Scheinbar löste jetzt ein liberaler Individualismus die totalitäre Massengesellschaft ab (diese Gegenüberstellung bestimmte jedenfalls alltagsideologisch den Kalten Krieg sowie die allgemeinen antikommunistischen Ressentiments). Kritisch stellt sich dies allerdings keineswegs als freie Entfaltung des Menschen dar; vielmehr resultiert aus diesem Individualismus ein eindimensionaler Mensch (Herbert Marcuse, 1964), ein Pseudoindividuum. Damit schienen die Kategorien Ich, Es und Über-Ich, mit denen die Psychoanalyse die Dynamik zwischen Lustprinzip und Realitätsprinzip darzustellen ersuchte, außer Kraft gesetzt, und die Psychoanalyse selbst veraltet. Gleichwohl passierte genau das Gegenteil: gerade mit der unheimlichen Expansion der Kapitallogik in alle Lebensbereiche kam es zu einem regelrechten Psycho-Boom, verfeinerten sich schließlich auch Zugriffsmöglichkeiten auf das menschliche Bewusstsein als Konsumentenbewusstsein; Wünsche, Gefühle, Begehren, Bedürfnisse etc. werden seither in mannigfaltiger Weise mit den Produktionsverhältnissen und den Produkten permanent rückgekoppelt. Vor diesem Hintergrund versucht der Vortrag, jene These nachzuzeichnen, die Marcuse 1955 in ›Triebstruktur und Gesellschaft‹ formulierte: Dass die philosophischen, psychologischen, psychoanalytischen Theorien vom Menschen in Politik übersetzt werden müssen.

Break Isolation! Die rassistische Isolation der Flüchtlinge durchbrechen - Selbstorganisation stärken
16.12. // 19 Uhr // Veranstaltung zur Bilanz einer einjährigen Kampagne und möglichen Zukunfsperspektiven in Thüringen // Referenten des Vortrags mit Diskussion: Miloud L Cherif, Clemens Wigger // veto - Trommsdorffstr. 5, Erfurt

Das Break Isolation!-Netzwerk, welches sich in Folge des Karawane-Festivals 2010 als Unterstützungsstruktur des Flüchtlingsnetzwerks The VOICE Refugee Forum in Jena gegründet hat, kann mittlerweile auf mehr als ein Jahr intensive Arbeit in ganz Thüringen zurückblicken. Es wurde die Situation in den isolierenden Flüchtlingslagern dokumentiert, Flüchtlinge in ihren verstärkten Bestrebungen der überregionalen Vernetzung und Austausch unterstützt, dezentrale und zentrale Aktionen organisiert, eine Vielzahl an Berichten in Mainstreammedien sowie unabhängige Text- und Filmproduktionen koordiniert und dauerhafte, dezentrale Solidaritätstrukturen aufgebaut.
Die Schließung des Isolationslagers Gangloffsömmern im Sommer 2011, die politische Bekämpfung von Strafverfolgung und Inhaftierung eines Flüchtlings-aktivisten für die Überschreitung von innerthüringer Landkreisgrenzen oder mehrere Demos mit hunderten Teilnerhmer_innen sollen zunächst als deutliche Erfolge nachvollzogen werden. Ebenso werden aber weiterhin bestehende Schwierigkeiten in Bezug auf das Verhältnis zwischen Eigenständigkeit der Flüchtlingsbewegung und Verantwortung der Solidaritätstrukturen thematisiert und (selbst-) kritisch diskutiert.
In der Veranstaltungen werden konkrete und kontroverse Fragen gestellt und vor dem Hintergrund der gesammelten Erfahrungen von Flüchtlingen und anti-rassistischen Aktivist_innen Antworten gesucht. Ferner werden Überlegungen über das “Wie weiter”, besonders mit dem Bezug zu Erweiterungsmöglichkeiten auf Erfurt und Umgebung, angestrebt. Eine Unterstützung für Flüchtlinge gibt es in verschiedensten Formen - Unterstützung der politischen Emanzipation ist allerdings ein komplexer Anspruch. Diesem werden wir uns stellen.

Die List der Unvernunft. Eine Analyse postmoderner Apologien des islamistischen Terrors

20.12. // 19Uhr // Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard // Universität Jena, Hörsaal 4 (Carl-Zeiß-Str. 3)

Gemeinhin gilt die Postmoderne als philosophisches Projekt der Vergangenheit. Man sei mittlerweile „viel weiter“, heißt es, wenn Kritik an ihr formuliert wird. Doch kann man sich bei näherer Betrachtung des Eindrucks nicht erwehren, dass hier die immer gleiche Melodie nur unter anderen Titeln variiert wird: eine Gegenaufklärung, die auf den „Tod des Subjekts“ abzielt und darin die objektive Tendenz des Kapitals affirmativ zum Ausdruck bringt. Ob man es nun „Dekonstruktion“, „différance“, „Alterität“, „Zweiheit“, „Diskurs“ oder, wie beim großen Vorbild Heidegger, einfach „Sein“ nennt – immer geht es darum, das Individuum ontologisch zum Verschwinden zu bringen. Diese ideologische Strategie führt postmoderne Philosophen fast automatisch an die Seite politischer Bewegungen, die in aller Konsequenz das, was an den Universitäten gedankenlos als kritische Meinung verkauft wird, in die Tat umsetzen: radikalislamische Gruppen, die den Tod des Subjekts – vor allem, wenn es jüdisch ist – und die Einrichtung einer totalitären Ordnung massiv vorantreiben.

Der Vortrag versucht mit den Mitteln der Ideologiekritik zu erklären, warum die von Theoretikern wie Foucault, Deleuze, Derrida, Badiou, Baudrillard, Agamben, Guattari, Butler u.a. offen ausgesprochene Sympathie für antisemitische Terrorbanden wie Hamas und Hisbollah kein ihrer Philosophie äußerlicher Zufall ist, sondern zutiefst in einer List der Unvernunft gründet, die sich theoretisch wie praktisch in der spätkapitalistischen Gesellschaft realisiert.

Philipp Lenhard ist Autor & Mitherausgeber des Sammelbandes
“Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft”

(weitere Infos)

Release Broschur: Kunst, Spektakel und Revolution #2

21.12. // 18Uhr // Präsentation der zweiten Broschüre der Reihe “Kunst, Spektakel und Revolution” und Vortrag zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität // ACC Galerie (Burgplatz), Weimar

Im Jahr 2009 begann die Veranstaltungsreihe »Kunst, Spektakel und Revolution«  als eine Zusammenarbeit zwischen der ACC Galerie Weimar und dem Bildungskollektiv Erfurt. Seither fanden in diesem Rahmen ca. 25 Veranstaltungen statt, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik auseinandergesetzt haben. Nachdem wir im Rahmen der Reihe Anfang 2010 bereits eine Publikation mit Texten zum Thema herausgegeben haben, freuen wir uns am 21.12.2011 nun unsere zweite Broschüre präsentieren zu können. Sie enthält sieben Textbeiträge von Tilman Reitz, Christopher Zwi, R.G. Dupius, Clemens Bach, Björn Öllers, Jan C. Watzlawik, Kerstin Stakemeier, Roger Behrens und Magnus Klaue zu den Themen »Charles Fourier und die Avantgarden«, »Lautreamont & Detournement«, »Dandy & Paradoxie«, »Krise und Zerfall des Liberalismus bei Charles Dickens«, »Die Expressionismusdebatte in ihrer Zeit«, »Die Sicherheitsnadel als Gegen-, Wider- und Umstand« und »Die postmoderne Empfindsamkeit«. Um den Abend inhaltlich zu gestalten und noch einmal die Revolution im Titel unserer Veranstaltungsreihe zu unterstreichen, haben wir zwei Menschen von der AG Gesellschaftskritik aus Dresden eingeladen, die über »Proletarität und Revolutionstheorie« referieren werden.

Ankündigungstext zum Vortrag

Das »Proletariat« hat als Chiffre eine lange, unrühmliche Karriere hinter sich. Im »traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus« mit dem historischen Phänotypen des Proleten identifiziert, welcher qua seiner Stellung im Produktionsprozess und seiner moralisch verstandenen Knechtung revolutionäres Bewusstseins spontaneistisch im Klassenkampf entwickeln müsse, oder per se rebellisch jenseits der Fetischisierungen, Mystifizierungen und Naturalisierungen der kapitalistischen Verkehrsformen stünde, hat sich spiegelverkehrt dazu das Gros der Marxisten und Linken enttäuscht vom Proletariat verabschiedet, nachdem dieses nicht seinem »geschichtlichen Beruf« (Marx) nachgekommen ist, sondern sich stattdessen ganz im Gegenteil als das erwiesen hat, als was es im kapitalistischen Produktions und – Verwertungsprozess gesetzt ist: variabler Teil des Kapitals. Seit dem Untergang des sogenannten »Realsozialismus«, sowie der »prolet-arischen« (Franz Neumann) Konterrevolution des Nationalsozialismus und der Shoa schwankt die westliche Linke allgemein und die deutsche insbesondere zwischen einer abgeschmackten Neuauflage der positiven Revolutionstheorie des Traditionsmarxismus, der (wertkritischen) Soziologisierung des Proletariats, einer Ausweitung des »utopische Bilderverbot(s) auch auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt« (Ingo Elbe) und dem postmodernistischen »Abschied vom (revolutionären) Subjekt«. Während sich die fortschreitende Akkumulation des Kapitals weiterhin über die extensiv wie intensiv akkumulierende Proletarisierung eines Großteils der Menschheit vollzieht, ist der Begriff von der »Daseinsform, Existenzbestimmung« (Marx) der Proletarität und den Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Dimension revolutionärer Theorie und Praxis verschüttet. Gegen die Arbeitertümelei des Proletkults einerseits und die ihr aufsitzende Abkehr vom Proletariat andererseits wäre Proletarität nicht als Antwort auf die Scheinfrage zu begreifen, ob das Proletariat bereits das revolutionäre Subjekt sei, sondern als eine Voraussetzung des dynamischen Prozesses seiner Subjekt- und Bewusstwerdung zu rekonstruieren, die eine kommunistische Revolution realistisch möglich und denkbar macht. Nur in einer nüchternen Bestimmung der Bedingungen, objektiven Möglichkeiten und Tendenzen einer kommunistischer Vergesellschaftung lassen sich die Formen und der Inhalt revolutionärer Subjektivität als der »Klasse des Bewusstseins« (Lukács) konkretisieren, die sich auf der Höhe der modernen Vergesellschaftung wissenschaftlich über ihre Lebensverhältnisse klar wird und sie praktisch umwälzt. Der Zusammenhang des Proletariats mit einer kommunistischen Revolutionstheorie wäre also in dem konkreten Beantwortungsprozess der Frage zu erschließen, wie diese Revolution beschaffen, was ihre Voraussetzungen, Mittel und Ziele sein könnten.

(weitere Infos)

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Andrea Trumann - 27.10.2011 // 20:00 // Galerie Grünes Zimmer – Zigarettenfabrik Mahalesi // Schülerstr. 40 - Gera

Vortrag und Diskussion mit Andrea Trumann, Autorin des Buches „Feministische Theorie“ (2002, Berlin, Schmetterling Verlag, www.theorie.org). In Zusammenarbeit mit der Galerie Grünes Zimmer.

Exemplarisch stehen die „Achtundsechziger“ für gesellschaftlichen Wandel und Emanzipation. Doch historische Bewegungen wie diese haben die weibliche Sphäre ebenso oft als Privates abgespalten und Frauen das Gefühl gegeben, dass ihre Probleme unwichtig sind und sie selbst defizitär. Während sich Teile der Emanzipationsbewegung damals und heute auf die Suche nach einer Natur der Frau begaben, widersprechen PoststrukturalistInnen wie Judith Butler diese Sichtweise. Sie definieren Identitäten im Gegenteil als soziale Konstruktionen. Mitunter verloren die nachfolgenden Konfusionen ihren Bezug auf das Subjekt Frau. Da sich die systemischen Bedingungen im Wesentlichen jedoch ebenso wenig verändert haben, wie ihre Gegenbewegungen hat auch die Suche nach einer originär weiblichen Theorie und Praxis nicht aufgehört – in der Theorie poststrukturalistisch, in der Praxis differenzfeministisch.
Der Abend zeigt die Widersprüche zwischen allgemeiner und konkreter feministischer Kritik auf und macht diese anhand von Filmsequenzen aus den sechziger Jahren nachvollziehbar.

(Source: badreihe.wordpress.com)

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Im Rahmen der Heidenspaß statt Höllenagst-Kampagne, die sich gegen den Papstbesuch in Erfurt richtet, wird die Veranstaltung mit dem Titel Remember what’s forbidden. Die ka­tho­li­sche Kir­che & an­de­re Ab­trei­bungs­geg­ner_in­nen den Film “Abortion Democracy” von Sarah Diehl zeigen und anschließend auch eine Diskussion ermöglichen.Sarah Diehl ist die Herausgeberin der Bücher “Brüste Kriegen” und “Deproduktion - Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext” sowie Mitherausgeberin diverser Berlinbücher.

Der Dokumentarfilm “Abortion Democracy” vergleicht die po­li­ti­schen, le­gis­la­ti­ven und ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen im Anschluss an gegenläufigen Veränderungen der Abtreibungsgesetze in Südafrika und Polen und deren Auswirkungen auf die Lebensrealität von Frauen.

Abortion Democracy: Poland/South Africa Trailer from Verena Buschmann on Vimeo.

Sarah Diehl war mit ihrem Film bereits im Dezember 2009 in Jena. Dass er noch einmal gezeigt und diskutiert wird ist nicht zuletzt deshalb zu begrüßen, da es in hier keinen Raum für eine entsprechende Thematisierung zu geben scheint. Einerseits bietet der Bestand der wichtigsten Bibliothek Thüringens (als zentrale Instanz für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung) eine ziemlich begrenzte Perspektive (Aspekte zum Strafrecht und ethische bzw. theologische Abhandlungen) auf das Thema. Andererseits findet es sich bisher nicht im Veranstaltungs- oder Veröffentlichungsoutput verschiedener ortsansässiger Gruppen, die sich entweder zentral oder peripher mit den an den Schwangerschaftsabbruch angeschlossenen Thematiken beschäftigen.

Dass die sehr aufgeladene Problematik mehr als die Gebiete von Gesetzgebung und theologischer Moral schneidet fasst Sarah Diehl in einem Interview mit Radio CORAX und in einem Video zur “1000 Kreuze in die Spree“-Demonstration vom September 2010, die sich gegen einen Schweigemarsch von selbsternannenten “Lebenschützer_innen” richtet, treffend zusammen:

Links:

4. Au­gust 2011, 19Uhr, Carl-​Zeiss-​Str. 3 (Uni-​Cam­pus), Se­mi­nar­raum 206.
Ver­an­stal­te­rin: re­vol­ta.

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“I think there’s a very real sense in which women are supposed to say ‘chocolate’ whenever somebody asks them what they want.” - Nina Power
“Die eindimensionale Frau” im Jahr 2011 auf die Frage “Was ist dein Traum?”. Einvernehmlich alles Individuelle aufhebend wird dem Körper der Hass angesagt. Poesie. Zugleich unfassbar traurig wie verstümmelt das potentielle Utopie beheimatende Ding namens Traum ist.
Gefunden in einer kostenlosen Zeitschrift in der Uni (“Audimax”, erinnere ich mich vage).
On July 7, 2011 at 10:52pm

“I think there’s a very real sense in which women are supposed to say ‘chocolate’ whenever somebody asks them what they want.” - Nina Power

“Die eindimensionale Frau” im Jahr 2011 auf die Frage “Was ist dein Traum?”. Einvernehmlich alles Individuelle aufhebend wird dem Körper der Hass angesagt. Poesie. Zugleich unfassbar traurig wie verstümmelt das potentielle Utopie beheimatende Ding namens Traum ist.

Gefunden in einer kostenlosen Zeitschrift in der Uni (“Audimax”, erinnere ich mich vage).

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Auftauchen:

Anhören:

Ansehen:

  • Am 25. April 2011 verstarb Poly Styrene, Stimme und Aushängeschild von X-Ray Spex, an Brustkrebs. Hier gibt es den 38minütigen Film “Who is Poly Styrene?” (via typical grrrls).
  • “Deckname Dennis” - eine “halbdokumentarische Realsatire”, in der ein us-amerikanischer Geheimagent die “deutsche Mentalität” erfahren soll. Aus dem Jahr 1997. Ich hätte gerne ein Remake, Fortsetzung, irgendwas, das die aktuelle Lage einfangen möchte. Bei der Auktion sitzt übrigens mein Onkel knapp neben Dennis. Beängstigend. (Edit: Link zum vollständigen Film hin aktualisiert; bitte bemerken falls broken o.ä.)
  • Das einzige was ich von der “Re:publica 2011” mitbekommen habe ist Bashing und der Vortag von Dr. Gunter Dueck: “Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem” (via @blog_bleistift), der recht kurzweilig und daher eher zur Unterhaltung und zu anregenden Überlegungen eines potentiellen “Typ Z” dienlich ist.
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was von der frauenbewegung übrig blieb...

“Die Frauenquote in deutschen Unternehmen, um genau zu sein, ist ein so ungefährliches und unerhebliches Thema, dass sich sogar Frau Merkel dazu äußern konnte. Und die sagt eigentlich nie etwas zu wirklich brisanten Themen.” (Sarah Schmidt)

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Sehr gerne nehme ich mir Zeit, die ich eigentlich nicht “habe” und “verschwende” sie anschließend. Z.B. mit Lesezeichen ausmisten. Ergebnis siehen unten; zuvor: Bemerkenswertes aktuelleren Datums.

Anhören:

Veranstaltung:

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(via WHOA!)

Vani Singh darf sich auf der Seite von Stop FGM NOW auch mal über Genitalverstümmelung äußern. FGM ist schlecht, aber I understand that this is a cultural practice with only good intentions behind it.

In vierzehn Wörtern fasst sich hier der ganze Wahn zusammen: Weil FGM irgendwie Kultur ist, stecken natürlich nur gute Absichten dahinter, weil Kultur kann ja nicht barbarisch und repressiv sein kann, also lasst uns mit dem Tätern in den Dialog treten, die es ja doch nur gut meinen, weil sie ja voll in ihre Kultur eingebttet sind.

Auf die Idee kämen sie nie, dass, wer FGM praktiziert in der Regel sehr wohl und genau weiß, was Mädchen und Frauen da angetan wird und das, was da so liebevoll als Kultur tituliert wird, meist eine Ansammlung grausamer Bräuche sind, die zu beenden eine universelle Aufgabe von Zivilisation sein sollte.

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