Vor ein paar Monaten noch habe ich mir erlaubt die Tatsachen, wegen denen den meisten Mügeln überhaupt erst ein Begriff ist, mit meinem eigenen Erfahrungen auf dem Dorf am Fuße des Erzgebirges, Landkreis Freiberg, zu verbinden (klicken!). Traurig ist, dass es seit letzter Woche nun noch deutlichere Parallelen zwischen Mügeln und Freiberg gibt.
In der vergangenen Woche wurden mehrere Brandanschläge sowie Steinwürfe auf verschiedene Imbiss-Buden (Gastronomie-tags: Döner, Asia, Orient) der Stadt Freiberg verübt. Diese Läden, die vom Ausländerbeauftragte Martin Gillo durchweg als “ausländische Gaststätten” bezeichnet werden, und deren Betreiber_innen seien nach Angaben des mittlerweile gefassten Täters Schuld daran, dass er wie so viele andere in der Region arbeitslos sind. An dieser Stelle ist den interessierten Leser_innen die Projektion von Negativem auf das “Fremde” ggf. schon klar.
Viele Menschen in Freiberg, allen voran dem Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm und dem sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich, hingegen sehen hier keine bedenklichen Taten oder Tatmotive. Von einer “grundsätzlich negative[n] Einstellung zu Ausländern” oder einer rechtsextremen Einstellung könne nicht die Rede sein. Es ist also zum Glück kein Nazi; die Stadt hat also kein Problem mit Nazis. Stattdessen befürchtet sie nun aber ein Image-Problem. Spätestens hier wird die “Argumentation” irgendwie “unlogisch”: denn ohne negativ-attribuiertes Phänomen (Nazis; offiziell nicht vorhanden) kein Image-Problem (Stadt mit Nazis; offiziell vorhanden) sowie keine bereits aktivierte SOKO REX. Der Täter selbst verortet sich auf Nachfrage weder im rechten noch linken Spektrum.
Und so sind sich alle öffentlichkeitswirksamen Redner einig: Freiberg ist “weltoffen” (mittels “ausländische Gaststudenten”) und so wird man alles daran setzen diesen “Zwischenfall” schnellstens und so unaufgeregt wie möglich in die Vergangenheit zu schreiben, damit das Image der Stadt nicht beschädigt wird (vgl. Bürgermeister von Mügeln Gotthard Deuse, siehe hier und hier):
„Ich bin bestürzt. So etwas gab es in unserer Stadt noch nie. Freiberg ist weltoffen. Wir lassen den Ruf unserer Stadt nicht beschmutzen.“
(Schramm in BILD vom 29.Juli)
„Alle Menschen, denen der Freistaat am Herzen liegt, haben ein großes Interesse an der schnellstmöglichen Aufklärung dieser feigen Anschläge“
(Tillich in der ZEIT vom 30.Juli)
Die Aussage der BILD, “Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit waren bislang in Freiberg eigentlich Fremdwörter”, ist blanker Hohn.
Sowohl Johannes Radke, aber vor allem auch der FreibÄrger haben diese Aussagen mit der Dokumentation von “Gegenbeispielen” belegt und die aktuellen Entwicklungen ausführlich kommentiert (lesen!).