bubi zitrone

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November 2011

15 posts

“Wer, wie das so heißt, in der Praxis steht, Interessen zu verfolgen, Pläne zu verwirklichen hat, dem verwandeln die Menschen, mit denen er in Berührung kommt, automatisch sich in Freund und Feind. Indem er sie daraufhin ansieht, wie sie seinen Absichten sich einfügen, reduziert er sie gleichsam vorweg zu Objekten: die einen sind verwendbar, die andern hinderlich. Jede abweichende Meinung erscheint auf dem Bezugssystem je einmal vorgegebener Zwecke, ohne welches keine Praxis auskommt, als lästiger Widerstand, Sabotage, Intrige; jede Zustimmung, und käme sie aus dem gemeinsten Interesse, wird zur Förderung, zum Brauchbaren, zum Zeugnis der Bundesgenossenschaft. So tritt Verarmung im Verhältnis zu anderen Menschen ein: die Fähigkeit, den andern als solchen und nicht als Funktion des eigenen Willens wahrzunehmen, vor allem aber die des fruchtbaren Gegensatzes, die Möglichkeit, durch Einbegreifen des Widersprechenden über sich selbst hinauszugehen, verkümmert.” —

Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Frankfurt am Main 2003, S. 149 (via mrclndr)

Alsbald erinnert mich dieses Zitat an die “Notwendigkeit” zu hassen, um wieder lieben und fühlen zu können, wie sie Martin Büsser anno 1992 formulierte.

Nov 29, 201123 notes
#Martin Büsser #Theodor W. Adorno #Zitate #Positionen #kitschige Launen
Nov 29, 2011112 notes
  • Greenstreet: Have you ever said 'I love you' and not meant it?
  • Žižek: All the time. When I really love someone, I can only show it by making aggressive and bad-taste remarks.
Nov 29, 2011674 notes
Nov 27, 201132 notes
#Deutschland #Antifaschismus
"Der Ausnahmezustand als Regel. Eine Bilanz der Kritischen Theorie"

“Der Ausnahmezustand als Regel. Eine Bilanz der Kritischen Theorie”

Vortragsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche

Das erkenntnistheoretische, soziologische, politische, geschichtsphilosophische, kulturtheoretische und ästhetische Denken der Kritischen Theorie hat im 20. Jahrhundert eine mächtige Geistesspur hinterlassen.
In dieser Schule haben vier Generationen von Intellektuellen die Frage nach der Signatur der Moderne in ganz unterschiedlicher, ja überaus spannungsvoller Weise zu beantworten gesucht: die vorinstitutionelle Gründungsgeneration (Benjamin, Kracauer) – die institutionelle Generation (Adorno, Horkheimer, Marcuse, Löwenthal) – die Generation um Jürgen Habermas’ Kritik der Kritischen Theorie – die postkritischen Nachfolger. Die Kritische Theorie hat dabei nicht nur stets nach außen Stellung bezogen in der Auseinandersetzung um die angemessene Interpretation der modernen Wirklichkeit (Lukács, Heidegger, Positivismusstreit etc.). Auch intern war ihre Geschichte durch fundamentale Differenzen bestimmt, die oftmals an einer Einheit dieser Schule Zweifel haben aufkommen lassen. Die Emphase eines »kritischen« Denkens wurde dabei zumeist als kleinster gemeinsamer
Nenner verstanden, der die Kritische Theorie historisch als legitimen Erben der europäischen Aufklärung in der Phase ihrer Selbstreflexion bestimmt.
Im offenen Geist Nietzsches fragt die Vorlesungsreihe des Kollegs Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar nach den historischen und systematischen Bedingungen, Formationen und Folgen der Kritischen Theorie.
Ihre bedeutenden Vertreter und Historiker sollen dabei vor allem Antwort auf die Frage geben, worin das intellektuelle Erbe der Kritischen Theorie besteht und inwiefern dieses Erbe auch weiterhin bedenkenswerte oder sogar notwendige Bedingungen der Philosophie des 21. Jahrhunderts abgibt. Axel Honneths provokante Annahme, nach der »die geschichtsphilosophischen und soziologischen Grundannahmen der Frankfurter Schule nicht länger zu verteidigen sind«, soll dabei Grundlage eines engagierten Diskurses sein, welcher gerade am deutschen Symbolort »Weimar« die Frage nach der Zukunft einer kritischen Theoriebildung von Gesellschaft stellen soll.

Interessant erscheinen dabei folgende Termine:

  • 28. November 2011. Christa Bürger: Arbeiten mit Adorno - »Ausdruck, Gewalt, die laut wird in der Klage« & Peter Bürger: Grenzen der Rationalität. Zur Adorno-Kritik von Jürgen Habermas.
  • 05. Dezember 2011. Rolf Wiggershaus: »Freiheit inmitten des Natürlichen.« Elemente einer kritischen Theorie der Natur.
  • 16. Januar 2012. Wolfgang Kraushaar: »Unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands.« Walter Benjamin, die Studentenbewegung und der große Katzenjammer.
  • 23. Januar 2012. Oskar Negt: Der halbierte Mensch. Demokratie als Lebensform.
  • 12. März 2012. Alfred Schmidt: Adorno und die Rettung des Nichtidentischen.
  • 19. März 2012. Sigrid Weigel: »Ist das ein Mensch?« (Primo Levi). Zur Gegenwärtigkeit von Hannah Arendts und Walter Benjamins Denken nach der Postmoderne.

Die Vorträge finden jeweils 18 Uhr im Vortragssaal des Schiller-Museums (Weimar) statt. Alle Veranstaltungen sind öffentlich und frei. Infos unter Klassik Stiftung Weimar.

Nov 27, 201118 notes
#Kritische Theorie #Edutainment #Weimar
Play
Nov 25, 20112 notes
#Video #Musik #Dybbuk
Nov 23, 2011367 notes
#Bill Murray #GPOY
Stephan Grigat Overload

Die Arbeit nieder! Luxus für alle! Eine Kritik des Arbeitsfetischismus

Vortrag von Dr. Stephan Grigat // 25. November 2011, Haskala Saalfeld

Der Papst verkündet, die Arbeit trage dazu bei, „Gott und den anderen näher zu sein.“ Bei der NPD firmiert „Arbeit“ noch vor „Familie“ und „Vaterland“ und linke Gruppen drohen ihren Gegnern in ihren abgehalfterten Demosprüchen an, sie „in die Produktion“ zu schicken und klammern sich an die Sklavenparole „Die Arbeit hoch!“ Statt für die Bedingungen der Möglichkeit individueller Freiheit und gesellschaftlicher Autonomie zu streiten, für eine Art produktiven Müßiggang, sucht man in der Schinderei der Arbeit Erfüllung – und findet sie womöglich auch noch.

Schon Hitler proklamierte in „Mein Kampf“ „den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.“ Wie ernst der Führer das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen. In der Huldigung des Prinzips der Arbeit finden rechts und links, sozialdemokratischer Etatismus und liberaler Verwertungswahn zueinander. Ob linke Globalisierungsgegner, christliche Sozialethiker oder faschistische Produktivitätsfanatiker: Helfershelfer bei der Rettung der Arbeit soll der Staat sein, der den zügellosen, nicht dingfest zu machenden Marktkräften den Betrug an der „ehrlichen Arbeit“ verunmöglichen soll: Kein Arbeitsfetischismus ohne Staatsfetischismus.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und engagiert sich bei Café Critique (www.cafecritique.priv.at). Er ist Autor von „Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie Herausgeber von „Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (ça ira 2006).

(source: Haskala)

Israel, der „arabische Frühling“ und das iranische Regime

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat // 26.11.2011 Uni Jena (Carl-zeiss-Str. 3), HS 9 // 19 Uhr

„Da ist was los, da gehen wir hin und machen mit“. Auf diese einfache Formel lassen sich die Reaktionen von der FAZ bis zu linken Blättern in Deutschland zu den Aufständen in der arabischen Welt bringen, die bezeichnenderweise mit einer Selbstverbrennung in Tunesien ihren Anfang nahmen. Unumstritten ist bei Kommentatoren und Freunden kommender Aufstände, dass es sich bei den Massenprotesten in Tunesien, Ägypten usw. usf. um Revolutionen handele.

Sicher führten die Proteste zum Sturz repressiver Regime. Doch der Austausch politischer Machteliten als Resultat eines Kampfes rivalisierender Rackets um Ressourcen und Machtpositionen ist keinesfalls Anzeichen einer Revolution. Es stellt sich die Frage, ob der Sturz der bisherigen Herrscher tatsächlich zu einer radikalen Umwälzung der sozialen Verhältnisse führt und wenn ja, wie diese aussehen wird.

Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass es überhaupt das mehrheitliche Bedürfnis seitens der Aufständischen gibt, die Herrschaft von Tradition, Familie und islamischer Zurichtung, also die Sehnsucht nach der autoritär-repressiven Nestwärme, zu hinterfragen, um sich aus der „Blutsurenge“ (Marx) zu befreien.

Der Vortrag wird versuchen, eine Einschätzung der bisherigen Entwicklung zu geben und insbesondere die Bedeutung der Umwälzungen in den diversen arabischen Ländern für den Expansionsdrang des iranischen Regimes und für die prekäre Situation Israels darzustellen.

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat, Lehrbeauftragter für Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Grigat ist Mitherausgeber der Bücher
„Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ und „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung.“

(source: association pomme de terre)

“Islamischer Antisemitismus - Von Al Banna zu Ahmadinejad”

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat // neue linke (Jakobstr. 22) Weimar // 19Uhr

„Es gibt nur eine Lösung für das Nahost-Problem: die Vernichtung und Zerstörung des jüdischen Staates.“ So tönt der oberste geistliche Führer des Iran, Ali Chamenei, dessen Bewunderer auch in Deutschland aktiv sind. Chamenei ist der starke Mann eines Regimes, dessen Präsident Ahmadinejad Israel wieder und wieder mit der Auslöschung droht, und das fieberhaft daran arbeitet, sich die technologischen Mittel zu beschaffen, um seine Vernichtungsdrohungen und –fantasien auch in die Tat umsetzen zu können. Doch der islamische Antisemitismus tritt nicht erst mit der Revolution im Iran im Jahre 1979 auf die Weltbühne. Der Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des modernen Islamismus skizzieren und ausgehend vom Gründer der ägyptischen Moslembrüder, Hassan Al Banna, versuchen zu klären, inwiefern der islamische Antisemitismus eine wahnhafte Reaktionsweise auf die kapitalistische Moderne darstellt. Der aktuelle Djihad gegen Israel soll ebenso beleuchtet werden wie die verlogenen Reaktionen auf ihn in Deutschland und Europa.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kampagne STOP THE BOMB (www.stopthebomb.net). Er ist Herausgeber von „Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (ça ira 2006) und Mitherausgeber „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008).

overload-Ergänzung via antifa jena:

Einen Vortrag über den “arabischen Frühling” in Hinblick auf die Bedrohung Israels wird er am Sonntag um 17 Uhr (!) im Filler in Erfurt halten.

Schließlich kommt er zum Ende seiner “Thüringen-Tour” wieder nach Jena in die JG Stadtmitte. Dort wird er am Dienstag ein Referat mit dem Titel “100 Jahre Nahost-Konflikt. Ursachen und Perspektiven” halten. Dieser beginnt jedoch erst um 21 Uhr.

Nov 22, 201115 notes
#Arbeit #Autonomie #Fetisch #Freiheit #Iran #Islam #Israel #Staat #Stephan Grigat #arabischer Frühling #Antisemitismus
Nov 17, 201145 notes
Cara Beth Satalino

Cara Beth Satalino - 25. November 2011 - Franz Mehlhose (Löberstr. 12/Erfurt)

Turn & Turn by cara beth satalino

Die Nicht-Ortansässigen und interregional Mobilen haben außerdem zur Auswahl sich am 26.11. ins FrühAuf in Leipzig zu begeben, um dort nicht nur Cara Beth Satalino, sondern auch Radio Burroughs und Shokei zu sehen <3

Nov 14, 201110 notes
#Cara Beth Satalino #Erfurt #Musik #Witches #Radio Burroughs #Shokei
Nov 13, 201114 notes
#mobile bilder #Jena #street art
“Aber weil Wahnsinn lediglich eine Bezeichnung ist für das, was die Gesellschaft an sich selbst nicht wahrzunehmen beliebt, erscheint auf den zweiten Blick jene Klarheit als eine, die eben dieser ver-rückten Wahrnehmung geschuldet ist: der Verweigerung des Nachvollzugs instrumenteller Vernunft im eigenen Denken.” —Tjark Kunstreich über die “ungemein klare Sicht der Dinge” der Gisela Elsner - der Kommunistin, die verzweifelt & der verzweifelten Frau, die Kommunistin wird. Zu finden im Nachwort zum Roman “Die Zähmung” (Verbrecher 2002, S. 279).
Nov 6, 201121 notes
#Gisela Elsner #Tjark Kunstreich #Wahnsinn #Verweigerung #instrumentelle Vernunft
Nov 6, 2011
#bonjour tristesse #das schöne leben #jena #da leben wo's weh tut
Joachim Bruhn Overload

Nichts gelernt und nichts vergessen.
Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn (ISF Freiburg)

10.11.2011 Universität Jena (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 9 // 19 Uhr

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpreßten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht jenem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein „Politisches Testament“ vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem „internationalen Judentum und seinen Helfern“ den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, daß „die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden“. 1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ‚Zionisten’ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die HaShoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, nun auch mit gutem Gewissen, d.h. in souveräner Unschuld, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in den Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten „Deutschen Revolution“ (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümee jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: „Nichts gelernt und nichts vergessen.“ Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

(via association pomme de terre)

Kapital und Souveränität – Einführung in die materialistische Staatskritik

Wochenendseminar mit Joachim Bruhn

Freitag 11.11.2011 – Sonntag 12.11.2011.

Dass die Wirtschaft nach ewigen Gesetzen funktioniert, gilt als allgemein ausgemacht. Sie soll unser Schicksal sein, das wir nur akzeptieren können und dem wir uns fügen müssen. Als genau so ausgemacht gilt, dass die Politik im – Gegensatz zur Wirtschaft – das Reich unserer Freiheit sei. Wer sich einbringe, könne auch was gestalten. Und deswegen solle, wer sich beschwert, gefälligst auch sagen, wie er oder sie es besser machen würde. Und so scheint es nur selbstverständlich, dass wer etwas an der Wirtschaft auszusetzen hat, nach dem Staat ruft und dieser, wenn dann doch mal etwas an ihm ausgesetzt wird, wiederum auf die wirtschaftlichen Zwänge verweist.
Wie sich die Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht, in Staat und Kapital teilen, zerfallen die Individuen, die in ihnen ihr Leben fristen, in Bourgeois und Citoyen. Ständig zerrissen, einerseits ihre eigene wirtschaftliche Stellung und ihre privaten Interessen zu verfolgen und andererseits sich in den Staat einzudenken, sich als bloßes Exemplar des ordentlichen Staatsbürgers bzw. der ordentlichen Staatsbürgerin zu denken.
In diesem ständigen Hin und Her zwischen politischen Gestaltungswillen und staatlichem Gewaltmonopol einerseits und freiem Markt und der Despotie von Fabrik und Büro andererseits liegt der objektive Irrsinn dieser gesellschaftlichen Verhältnisse. So objektiv irrsinnig sie sind, so sind sie doch irrsinnigerweise objektiv, d.h. gesellschaftlich gültig.
In dem Wochenendseminar wollen wir uns zusammen mit unserem Referenten und einigen Texten mit dem Verhältnis von Kapital und Staat auseinander setzen. Davon ausgehend soll ein Blick auf das geworfen werden, was in Deutschland seit Ferdinand Lassalle als Links auftrumpft. Denn in dessen Agitation für den „Volksstaat“, dem Gerede des Marxisten-Leninisten vom „Staat des ganzen Volkes“ und der Forderung einer “Politik für alle” eines Oskar Lafontaine kommt die Ideologie der Politik an ihr Ende: in der Vorstellung der Einheit von Bürger und Staat — der Volksgemeinschaft, in der Idee, die Souveränität sei das Instrument der gesellschaftlichen Selbstbestimmung und das System des Befehlens und Gehorchens wäre, nur recht auf Gemeinwohl getrimmt, schon die Freiheit selbst.
Die marxsche »Kritik der politischen Ökonomie« dagegen tritt auf als Kritik der politischen Ökonomie, die von Anfang an die Einheit von Ökonomie und Politik, von Basis und Überbau, von Kapital und Souveränität darstellt: in der Form der Kritik. Alle Kategorien dieser Kritik sind ökonomisch und politisch zugleich. Insofern sie aus der vermittelten Identität von Ausbeutung und Herrschaft entspringen, gilt die Souveränität als nur eine, wenn auch die gegenwärtige Form der Knechtschaft. Als Kritik, die dem kategorischen Imperativ folgt, die Spaltung der Gattung in die wesentliche und in die überflüssige Menschheit aufzuheben, zielt sie nicht auf die Aufhebung, sondern auf die Abschaffung des Staates.

(weitere Infos via Falken Erfurt)

Nov 6, 20116 notes
#Joachim Bruhn #Deutschland #Antizionismus #Jena #Staatskritik #Kapital #Kritik der politischen Ökonomie
Nov 4, 20114 notes
#Körper
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