January 2011
24 posts
Electrelane - This Deed.
Diese Tat ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, und doch haben sie dieselbe getan.
(Nietzsche, Die Fröhliche Wissenschaft (The Gay Science), section 125 of book 3)
Heute (thematisch und topographisch) sehr einseitig. Aus Gründen.
- Der bekannte Ex-Sozialdemokrat und nun kommunale Speerspitze der NPD Hans Püschel, beheimatet im sachsen-anhaltinischen Provinznest Krauschwitz, fühlt sich von der Demokratie verarscht, weil: es kein Bier gab. Und das in Räumlichkeiten, die er über seine Position als ehemaliger Bürgermeister nutzen konnte, ohne den anderen Entscheidungsträger_innen mitzuteilen, dass er dies für die NPD tat.
- Nachdem der nationalstolze und offenkundig rotzhohle Fussballtrainer Lutz Battke (ich erinnere: Bürgermeisterkandidat in Laucha mit entzogener Schornsteigerfeger-Kehrlizenz [weil in der NPD] in der Gemeinde, in der im letzten Jahr ein jüdischer Junge angegriffen wurde) und sein Wortführer Andreas Karl in einer belustigend-irrsinnigen visuellen Botschaft via Youtube (siehe hier oder auch hier) indirekt zu Angriffen auf ein Vorstandsmitglied des Simon-Rau-Zentrums in Weißenfels aufriefen, wurde Anfang Januar dessen Auto in Brand gesteckt.
- Apropos Faschismus aus der Provinz: Radio Corax hat mit Dierck Borstel (süßer Name) über die Problematik des Rechtsextremismus auf dem Land gesprochen; da hätte aber auch noch mehr gehen können, inhaltlich. Für’s nächste Mal empfehle ich Kontakt zu Randale&Liebe oder der Antifagruppe Freiberg.
- Nochmal apropos: besagte Gruppe aus Freiberg hat ein adrettes und in jedem Fall lesenswertes Stück Text mit dem Titel “In linker Formierung” zum “Spektakel Dresden” (gemeint ist das Trauermarsch-Gegentrauer-Blockade-Spiel um den 13.Februar) geschrieben. Dieser lässt sich die Aufrufwerbung der Massenblockade-Bündnisse sprachsensibel auf der Zunge zergehen. “Angesichts all der Zumutungen, die diese Gesellschaft bereit hält, ist es geradezu irrwitzig, für ein Event, wie den 13. Februar, seine Kraft und Energie zu verschwenden[…]”. Zur “alle Jahre wieder”kehrenden “Heilung des eigenen Unbehagens” im Stil einer Familienfeier gibt es auch bei “Im Kopf Lokalisation”. Es sei hier auch nochmal auf das Flugblatt “Volksgemeinschaft gegen rechts” der “ag no tears for krauts” aus dem letzten Jahr verwiesen.
- Bei “Aus guten Gründen gegen alles” wird die Nazi-Demonstration “GENUG IST GENUG – Opferschutz statt Täterschutz!”, die am 22.01.2011 in Erfurt stattfand, kommentiert.
- “Am 12. Januar stellte der Wissenschaftler Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Niedersachsen in Halle (Sachsen-Anhalt) die Studie »Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Sachsen-Anhalt« vor. Für die Untersuchung wurden insgesamt 2 590 Schüler der neunten Klassen in Sachsen-Anhalt befragt. Der Aussage »In Deutschland gibt es zu viele Ausländer« stimmten den Ergebnissen zufolge 20 Prozent der Befragten völlig zu, 27,9 Prozent teilweise.” (via deutsches haus)
- Und noch was aus Brandenburg: “Auf die Kleingartenlaube eines jüdischen Berliners in Gosen (Oder-Spree) ist ein antisemitischer Brandanschlag verübt worden. […] Die Fassade des Bungalows war mit einem 60 mal 70 Zentimeter großen Davidstern und dem Wort «raus» beschmiert.” (welt online)
Der inzwischen vergriffene und auch nicht neu wieder aufgelegte Sammelband “Spektakel - Kunst - Gesellschaft” versammelt Vorträge, die auf dem gleichnamigen Symposium im Januar 2005 in der Kunsthalle Exnergasse in Wien gehalten wurden und wird durch weitere Beiträge ergänzt.
“Guy Debord und die Situationistische Internationale erfahren in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum vermehrte Aufmerksamkeit. In der Regel ging diese verstärkte Rezeption mit einer Reduzierung der Anliegen Debords und anderer Situationisten auf kunst-, kultur- oder auch medientheoretische Fragestellungen einher. Je größer die Begeisterung und das Interesse für die kunst- und kulturkritischen Schriften Debords wurde, desto weniger Beachtung fand die Gesellschaftskritik, die Debords Kunst- und Kulturkritik zugrunde liegt. Heute geht es zum einen darum, Debord und die SI in ihrem revolutionären Anspruch ernst zu nehmen. Zum anderen geht es um die Kritik ihrer Vorstellungen vor dem Hintergrund der gesellschaftskritischen Diskussionen der letzten 20 Jahre.”
Sie kennen dieses Internetz? Nein? Es aber Sie: »Als 17jähriger zieht Walter Jancke in den Krieg, begeistert und abenteuerlustig« – und das wird Sie nicht überraschen, daß uns das nicht überrascht, nein?
Jedenfalls begeistert:
Titanic” —
Zwei Fragen, Dr. Walter Jancke (Düsseldorf)!
Verstehen wir, erstens, das richtig, was Sie den Herausgebern Ihrer FAZ aus Anlaß eines Parteitages der Grünen mitgeteilt haben: »Am Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau den Plan, Deutschland in ein Agrarland zu verwandeln … Vernunft und Nachsicht verhinderten ihn. Deutschland konnte sich deshalb dank des Fleißes, der Intelligenz und der Sparsamkeit seiner Bürger zu einem hochindustriellen, wohlhabenden Land entwickeln, das als geachtetes Mitglied der Völkerfamilie gilt. Dank seiner Ressourcen trägt es einen erheblichen Teil der Kosten internationaler Organisationen und ist ein beachtlicher Zahler von Entwicklungshilfe. Schon früh hat Deutschland begonnen, seinen Kohlendioxidausstoß zu verringern. Der Grünen-Partei genügt das nicht, und es besteht die Gefahr, daß eine grüne Regierung … einen Prozeß in Gang setzen würde, dessen Ergebnisse denen des Morgenthauplans entsprechen würden, diesmal aber freiwillig.« Und falls wir da richtig verstehen und Sie, Dr. Walter Jancke (Düsseldorf), diesen durchaus multiplen Minderfug ernst meinen: Warum fürchten Sie sich, zweitens, so davor? Deutschland als Agrarland böte Ihnen schließlich die besten Perspektiven: dumme Bauern, dicke Kartoffeln, Sie wissen doch!
Vernünftig, aber unnachsichtig:
Titanic
Sie sind Bürgermeister in Sachsen-Anhalt und haben Anfang November einen Bundesparteitag besucht. Nicht den der SPD allerdings, sondern den einer noch kleineren Bewegung: der NPD. Dort seien nämlich »Menschen, wie man ihnen an jedem anderen Ort auch begegnen kann«, die obendrein »gar nicht so schlechte Ideen« hätten.
Und die von Ihnen regierte Stadt, Herr Püschel, heißt ausgerechnet: Krauschwitz? Dann stimmt ja alles. Wehret den Kranfängen! Titanic” —